1. Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt muss angemessen finanziell gefördert werden.

Kinder- und Jugendarbeit bietet jungen Menschen Räume, in denen sie demokratische Prozesse erleben und nach ihren eigenen Wünschen und Ideen mitgestalten können. Sie vermittelt ihnen ein Verständnis für Demokratie, Respekt gegenüber anderen Meinungen, Empathie und Teamfähigkeit. Außerdem lernen dort junge Menschen, wie man Konflikte gewaltfrei löst, und erfahren ihre eigene Wirksamkeit. In diesen Räumen können sie Freundschaften schließen und Erlebnisse sammeln, die sie ihr ganzes Leben begleiten. Aus diesen Gründen ist die Kinder- und Jugendarbeit unverzichtbar für unsere (Stadt-)Gesellschaft.  Sie braucht deshalb eine angemessene und sichere Finanzierung. Dazu gehört nicht nur die Förderung von Kinder- und Jugendhäusern sowie der verbandlichen Jugendarbeit, sondern auch die Finanzierung von Freizeiten und Bildungsveranstaltungen. Wir fordern außerdem, dass die Vergütung der qualifizierten Fachkräfte nach den geltenden Tarifverträgen erfolgt.

2. Vielfalt und Selbstständigkeit der Kinder- und Jugendarbeit muss bewahrt und gefördert werden.

Von verschiedenen Pfadfinderstämmen, kirchlichen, gewerkschaftlichen und queeren Jugendgruppen über die Sportjugend bis zu Jugendfeuerwehr oder Arbeiter-Samariter-Jugend: Jugendarbeit in Göttingen ist vielfältig. Diese Vielfalt ist eine wertvolle Ressource und Bereicherung für die Stadt, die erhalten bleiben muss. Wir fordern, dass Jugendgruppen weiterhin selbstbestimmt und selbstorganisiert arbeiten können. 

3. Politische Beteiligung von jungen Menschen muss gestärkt werden.

Junge Menschen sind gleichwertige Einwohner*innen, die ihr eigenes Leben am besten kennen. Deshalb müssen sie bei Entscheidungen in der Stadt verbindlich mitwirken können. Beteiligung soll vielfältig, einfach zugänglich und passend für Jugendliche gestaltet sein. Dabei müssen bestehende Institutionen wie der Stadtjugendring und andere freie Träger der Jugendhilfe sowie das Jugendparlament  stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. 

4. Schaffung und Sicherung von Begegnungsräumen.

Jugendarbeit schafft Begegnungsräume für junge Menschen außerhalb der eigenen vier Wände, in denen sie sich ausprobieren können, in deren Schutz sie unabhängig von Schule ihre Persönlichkeit weiterentwickeln können und in denen sie Gemeinschaft mit Gleichaltrigen erleben können. Für solche Begegnungen braucht es Orte, die geschaffen und erhalten werden müssen. Dazu gehört auch, dass mehr offene und konsumfreie Räumlichkeiten für Jugendangebote kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Eine Möglichkeit wäre hier, einen sicheren Treffpunkt für Jugendliche in der Innenstadt einzurichten. Wo solche Räume fehlen oder junge Menschen das Gefühl bekommen, nicht erwünscht zu sein, entstehen Lücken, die andere füllen. Besonders rechtsextreme Akteur*innen nutzen diese Schwachstellen gezielt aus, indem sie vermeintlich offene Treffpunkte und Freizeitangebote schaffen. 

5. Einführung eines Jugend-Checks für die Kommunalpolitik.

Die Auswirkungen auf das Leben junger Menschen müssen bei kommunalpolitischen Entscheidungen immer berücksichtigt werden. In diesem Sinne fordern wir eine soziale und nachhaltige Kommunalpolitik, die insbesondere Mobilität, Freizeit, Jugendarbeit, Kultur- und Bildungsangebote sowie Ökologie und Nachhaltigkeit und diversitätssensibles Handeln im Blick hat. Deshalb fordern wir die Einführung eines Jugend-Checks, der Auswirkungen von Stadtpolitik auf junge Menschen aufzeigt. 

6. Klare Kante gegen Rechtsextremismus.

Kommunen sind die Orte, an denen Demokratie konkret erlebt wird. Hier entscheidet sich, ob Mitbestimmung gelingt und gesellschaftlicher Zusammenhalt wächst. Kommunalpolitik trägt daher eine besondere Verantwortung: Sie muss Demokratie im Alltag erfahrbar machen und Menschen aktiv zur Mitgestaltung ermutigen. 

Darüber hinaus dürfen Kommunen ihre Verantwortung nicht delegieren: Sie müssen eigene Angebote zur Demokratiebildung und zur Prävention von Rechtsextremismus ausbauen und dauerhaft verankern. Das gilt ausdrücklich auch für die Qualifizierung der eigenen Beschäftigten sowie der gewählten Vertreter*innen in den kommunalen Parlamenten. 

7. Bezahlbaren Wohnraum und die Gründung eines Azubi-Werks.

Bezahlbarer Wohnraum ist in Göttingen längst zur Mangelware geworden. Junge Menschen verzweifeln bei der Suche nach einer neuen Bleibe. Am härtesten trifft es junge Menschen, die am Beginn ihres Berufslebens oder Studiums stehen, sowie Haushalte mit geringem Einkommen. Für sie sind die aktuellen Mietpreise schlicht nicht zu stemmen. Junge Beschäftigte, Auszubildende und Studierende müssen ausdrücklich mitgedacht werden. 

Eine Kommune, die als attraktiver Standort gelten will, braucht zudem spezialisierten Wohnraum für Auszubildende. Die Gründung eines Azubi-Werks kann hier ein entscheidender Hebel sein: Es bündelt Beratungsangebote für alle Auszubildenden und schafft Wohnraum, der unabhängig von der Betriebszugehörigkeit genutzt werden kann. So entsteht ein verlässliches Fundament für erfolgreiche Ausbildungsbiografien. Gerade in der Bildungsstadt Göttingen muss auch die (duale) Berufsausbildung als valide Alternative zur akademischen Bildung gefördert werden.

8. Kostenfreie Mobilität für junge Menschen.

Mobilität darf keine Frage des Geldbeutels sein. Und gerade durch die Kostensprünge aufgrund verschiedener weltweiter Krisen, wird Mobilität immer mehr zu einem Privileg anstelle eines Grundrechts für alle. Deshalb fordern wir gratis ÖPNV für alle jungen Menschen unter 27 Jahren.

Kostenloser ÖPNV ermöglicht jungen Menschen den gleichberechtigten Zugang zu Schule, Ausbildung, Studium, Arbeit und Freizeit. Er stärkt gesellschaftliche Teilhabe, entlastet Familien finanziell und fördert klimafreundliche Mobilität. Wer junge Menschen unterstützen will, muss ihnen ermöglichen, selbstbestimmt und unabhängig unterwegs zu sein.